Wir haben in diesem Fall das „traditionelle Räuchern mit heimischen Kräutern und Harzen“ in die Rubrik „Projekte“ eingeordnet.

Vom spirituellen Aspekt einmal abgesehen, erfordern die Vorbereitungen zum Räuchern doch einiges an Handwerk und Liebe (nicht zu vergessen den „grünen Daumen“). Dies beginnt schon bei der Pflanzung und Aufzucht der Kräuter und deren Verarbeitung, beim Sammeln der Harze etc.

Ein "Selbst"-Projekt auch, da es unabdingbar ist, hier den Rhythmus von Mutter Natur anzunehmen und die Dinge werden zu lassen.

 


Ursprung:

Das Verräuchern von Harzen und Kräutern ist sicher so alt wie die Menschheit und die Nutzung des Feuers. Über Jahrtausende hinweg wurde in allen Hochkulturen geräuchert und war im Alltag tief verwurzelt.

So verbrannte man z.B. Holz am Feuer und wurde sich allmählich darüber bewusst, dass es gut roch und auch die Sinne beeinflussen konnte. Nach und nach wurde man sich der Wirkung der Düfte von Pflanzen und Harzen bewusst und setzte sie gezielt ein. Das immer größer werdende Wissen  fand Verbreitung durch mündliche Überlieferung. Schon in der Steinzeit wurden bereits Räucherzeremonien und Rituale auf Altären abgehalten.

Schautischchen mit Beschreibungen der Kräuter und Räucherschalen
Schautischchen mit Beschreibungen der Kräuter und Räucherschalen

Zweck:

Geräuchert wurde allgemein z.B. bei Zeremonien, Gebeten, Ritualen, zum Zwecke der Heilung (etwa zur Desinfektion von Räumen und Kranken,- bzw. Sterbezimmern) und anderen Anlässen.

Der aufsteigende Rauch diente auch als Vermittler zur Welt der Götter, so wurde um gutes Wetter, erfolgreiche Jagd, Gesundheit und vieles mehr gebeten. Oft versetzten sich Priester und Seherinnen mit dem Verräuchern  bestimmter Kräutern, Hölzern und Harzen in Trance.

Die Kelten räucherten unter anderem auf Hausaltären, welche auch dazu dienten Opfergaben zu bringen. Oft gab es in der Mitte von keltischen Siedlungen große Feuerstellen für rituelle Räucherungen. Bei den Römern wurden Massen an Räucherwerk verbraucht. Bei Opferzeremonien, zu Ehren der Götter, bei Feierlichkeiten und jedweden Gelegenheiten.


"heilige" Kräuter..."Heilkräuter" 

Brunnenkresse, Eisenkraut, Mädesüß und Mistel. Diesen 4 Kräutern schrieben die Kelten besonders  hohe und mannigfaltige Kräfte zu, besonders die Druiden, welche eigentlich Vorreiter von Kräuterwissen und Volksheilkunde waren.

Diese „besonderen Kräfte“ würden wir heute eher als Heilwirkung beschreiben, denn mit diesen Kräutern  lassen sich viele Beschwerden und Leiden bekämpfen.

 

Brunnenkresse: (Lepidium) - BERULA, BERURA

Brunnenkresse war für die Kelten eine Art Aphrodisiakum. Angeblich konnte sie dafür sorgen, dass magische Kräfte im Wasser erhalten blieben.

 

 

 



die Weisen behaupten,

dass Menschen, die mit ihr eingerieben wurden,

alle Wünsche erfüllt, von Fieber befreit und

von allen Krankheiten erlöst würden ...!

 

(Plinius - 77 n. Chr.)

 

Eisenkraut: (Verbena officinalis)

 Eisenkraut war eine der heiligsten Pflanzen überhaupt. Mit ihr wurde das „Lustralwasser“ hergestellt (Flüssigkeit mit starker Zauberkraft, welche für diverse magische Rituale und Weissagungen herangezogen wurde). Druiden durften die Pflanze nur unter dem Hundsstern (Sirius) ernten.

 Das Eisenkraut diente verblüffender weise der gesamten griechisch-römischen Welt als kultischer Kopfschmuck für Adelige und höher gestellte Personen. Bei den Galliern war das Eisenkraut ein wichtiger Glücksbringer.

"...(Das Eisenkraut) wird von den Galliern zum Wahrsagen und Prophezeien benutzt, und die Magi (Druiden) treiben damit wahren Unsinn. Wenn man sich damit salbt, so erlangt man alles, was man will; das Kraut vertreibt Fieber, stiftet Freundschaft und heilt alle Krankheiten. Sie fügen hinzu, man müsse es beim Aufgang des Hundssterns (Sirius) sammeln, wenn weder Mond noch Sonne scheinen; zuvor muss die Erde mit Wachs- oder Honigopfern versöhnt werden. Mit Eisen muss man einen Kreis um die Pflanze ziehen und sie alsdann mit der linken Hand ausgraben und emporheben. Die Blätter, Stengel und Wurzeln müssen getrennt voneinander im Schatten trocknen. Sie sagen auch, dass die Unterhaltung lustiger wird, wenn eine Kline (Liege für Trinkgelage) zuvor mit Wasser, in das diese Pflanze eingelegt wurde, besprenkelt wird. Als ein Mittel gegen Schlangenbiss wird sie auch in Wein ausgequetscht." (Plinius, Naturgeschichte XXV)

 


Mädesüß: (Filipendula) - RODARON

Reinigung und Segnung von Räumen. Durch das Verräuchern neutralisierte man unerwünschte Energien. Amulette, Anhänger und Edelsteine können energetisch aufgeladen werden.

Es fördert die innere Ruhe, Wachheit des Geistes und lässt uns in die eigene Mitte kommen.

Verwendung fand die komplette Duftpflanze als Färbemitte für Stoffe (gelb, grün, rosa oder schwarz…je nach Beize). Ebenso diente es als Abwehrmittel gegen Geister und Dämonen und wurde in Haus und Stall aufgehängt. Es wurde dem Met beigesetzt, um ihn Schmackhafter zu machen. Ebenso wurde es als natürliches Mittel gegen Kopfschmerz verwendet...

 



Mistel:  (Viscum album oder Loranthus europaeus) - "die Allesheilende"

 Gewährt uns einen Blick auf unsere Seele. Sie öffnet uns Für Visionen und kann die Traumtätigkeit verstärken. Die Mistel schafft ein Bewusstsein welches uns unseren eigentlichen Lebenszielen näherkommen lässt…

 Mit ihr wurde in den „Lostagen“ der Rauhnächte über das Schicksal orakelt.

 "Nichts ist den Druiden [...] heiliger als die Mistel und der Baum, auf dem sie wächst, sofern es nur eine Eiche ist. [...] Eine solche Mistel wird jedoch einigermaßen selten entdeckt und wird, wenn gefunden, mit großer Ehrfurch aufgesucht, und zwar vor allem am sechsten Tage nach Neumond, [...]. Sie bezeichnen die Mistel in ihrer Sprache als "Allheiler" [lat. omnia sanatem, irisch: uile-iceadh, schott.gäl. uil-ioc, kymr. oll-iach,]. Nachdem man das Opfer und das Festmahl unter dem Baum feierlich vorbereitet hat, führen sie zwei Stiere von weißer Farbe herbei, deren Hörner dann zum ersten Mal bekränzt werden dürfen. Ein Priester in weißem Gewand steigt auf den Baum und schneidet die Mistel mit einer goldenen Sichel ab. In einem weißen Leinentuch wird sie aufgefangen. Dann schlachten sie alsbald die Opfertiere und beten, der Gott möge seine Gabe denen zum Segen gereichen lassen, denen er sie verliehen habe. Sie glauben, dass durch einen Trunk davon jedem unfruchtbaren Lebewesen Fruchtbarkeit verliehen werde und dass es ein Heilmittel gegen alle Gifte sei."

(Plinius, Naturgeschichte XVI, 249) 


Beschreibungen und Attribute der oben genannten Kräuter sind nur eine winzige Auswahl. Alle bekannten rituellen und heilenden Wirkungen der Pflanzen und Kräuter aufzuzählen ,würde den Rahmen erheblich sprengen...